Geschwister-Scholl-Preis für Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey
26.11.2025
Der renommierte Preis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels wurde an der LMU verliehen.
26.11.2025
Der renommierte Preis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels wurde an der LMU verliehen.
Ausgezeichnet wurden am gestrigen Dienstag die Autorin Carolin Amlinger und der Soziologe Oliver Nachtwey für ihr gemeinsames Werk „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“ (Suhrkamp, 2025).
Mit dem Buch legen Amlinger und Nachtwey ein Werk vor, das die politische Gegenwart eindringlich und zugleich mit großer Sensibilität ausleuchtet. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung vieler Menschen, dass die Versprechen liberaler Demokratien, wie Freiheit, Teilhabe oder soziale Sicherheit, zunehmend als unerfüllbar wahrgenommen werden. Aus dieser Enttäuschung erwachse eine eigentümliche „Lust an der Zerstörung“.
Der von Amlinger und Nachtwey entwickelte Begriff des „demokratischen Faschismus“ beschreibt eine Haltung, die mitten in der Demokratie entsteht: eine Mischung aus Ressentiment, regressiver Rebellion und faschistischen Fantasien, die Institutionen nutzt, um sie zugleich auszuhöhlen. Diese Diagnose basiert auf einer Vielzahl von Interviews, Protokollen und Beobachtungen, die von Verunsicherung und Ausgrenzung berichten. Gerade diese Vielstimmigkeit macht deutlich, wie weit das Phänomen in die Gesellschaft hineinreicht – von der verunsicherten Mitte bis in radikalisierte Milieus.
Der Börsenverein, bei der Verleihung vertreten durch seinen Vorsitzenden Klaus Füreder, würdigte in der Großen Aula der LMU – im Beisein unter anderem von LMU-Präsident Professor Matthias Tschöp und dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter – ein Werk, das in exemplarischer Weise jene intellektuelle Unabhängigkeit und moralische Wachheit verkörpert, die der Geschwister-Scholl-Preis auszeichnen möchte.